Ausgebremst 2: Europa schließt wegen Corona seine Grenzen

12. Mai 2020 | Allgemein

In der Woche nach meiner Rückkehr habe ich den VANTourer zum Händler in die Prignitz gefahren, wo er geparkt werden konnte, um auf die Teile für das neue Wassersystem zu warten. Meinen Stellplatz im Nachbardorf hatte ich nämlich gekündigt, in der Annahme, bis Anfang Mai 2020 unterwegs zu sein…

Ende Februar kam dann endlich auch als Letztes der neue Abwassertank, und „Libertus“ Eingeweide wurden in einer tagelangen OP ausgewechselt: Frischwassertank, Leitungen, Wasserpumpe, Waschbecken, Armaturen, Ventile, sogar der Boiler der Heizung und der Abwassertank. Aus Kulanz, wie es hieß. Ich sage dazu Gewährleistung, denn nicht ich habe den Diesel in den Wassertank gekippt.

Egal: Alles ist jetzt neu. Am 06. März konnte ich den Van abholen, zur Testfahrt ging es auf meinen geliebten Darß: Mein Bruder wohnte in Dierhagen schön im Ostseehotel, ich gemütlich auf dem Parkplatz. Sehr zu empfehlen, liebe Mitcamper: Für 5 Euro steht man fast direkt am Strand und kann morgens im Hotel Kaffee schlürfen oder eine Massage buchen.

Schöne Tage an der Ostsee waren das, trotz dermaßen heftiger Sturmböen, dass ich die auf Libertus Dach geklebten 400-Watt-Solarpaneele schon wegfliegen sah (neige ich ein bisschen zu Kopfkino, zu einem Übermaß an Phantasie? Neiiin, ich doch nicht!). Die hielten aber bombenfest (danke Vasco!) und nachdem ich einmal umgeparkt hatte, landeten auch keine Äste mehr auf dem Wohnmobil.

Alles gut: Das Wasser im Van sprudelte nur dort, wo es hingehörte, endlich kein umständliches Herumhantieren mit Kanister mehr, ich freute mich auf den Frühling in Portugal und Frankreich. Die Fähre auf die Kanaren war storniert, dieser Trip lohnt sich meines Erachtens nur, wenn frau Monate lang Zeit hat.

Ganz von Ferne war von diesem Virus die Rede (es war Anfang März), aber im Hotel machte man sich noch keine großen Sorgen. Auch der Bürgermeister von Prerow nicht, der Kunsttischler René Roloff, den ich für den DLF in seiner Traditionstischlerei besuchte, wo sie seit 1832 die berühmten „Darßer Türen“ bauen und bemalen.

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Die Drei von der Tischlerei: René Roloff mit seinem Bruder Dirk (links) und Mitarbeiter Steffen Bläsing

Am kommenden Wochenende sollte es endlich losgehen, über Frankreich und Spanien nach Portugal. Erste Interviewtermine zur Wiederansiedelung des Iberischen Luchses im südspanischen Nationalpark Donana waren angefragt.

Doch dann wurde klar, dass die Corona-Pandemie in Europa angekommen ist. Immer mehr Länder schlossen ihre Grenzen und igelten sich ein. Die EU mutierte zur Festung auch nach innen – und mit meiner Reise war es erst einmal vorbei.

Also werde ich in diesem Seuchen-Sommer die eigene Heimat näher erforschen, Bundesländer besuchen, die ich noch nicht kenne und abwarten, bis die Reisefreiheit wiederbelebt wird.

Von vornherein hatte ich vor, im Spätherbst der Länge nach durch Italien zu fahren und auf Sizilien zu überwintern. Dann im Frühjahr 2021 über die Balkanstaaten zurück zu kehren. Nun wird es eine Reise durch ein versehrtes Land: Stand heute: 30.739 Corona-Tote in Italien.

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